Rennberichte

Sieg beim King’s Price Trailseeker in Pretoria.

Heute stand mit dem über 70 Km führenden Trailseeker „Marathon“ in Pretoria noch das zweite geplante Rennen meiner knapp zweiwöchigen Südafrikareise auf dem Programm und mit einem Sieg konnte ich meinen Tripp erfolgreich abschliessen.

Nach dem 36ONE vom letzten Freitag-/Samstag reiste ich am Montag von Oudtshoorn nach Pretoria. Mietauto in George abgeben, Flug nach Johannesburg und wieder Mietauto abholen…. am Ende wurde es doch noch ein langer Tag, ehe ich bei meiner Frau’s Onkel und seiner Familie angekommen war.

Als ich bei meiner Entscheidung, das Ultrarennen zu fahren gesehen hatte, dass die Woche danach ein Lauf der Trailseeker Serie nur gerade 15 Km von Pretoria ausgetragen wurde war für mich schnell klar, dass ich dieses Rennen auch gleich mitnehmen sollte. Die Rennen der Serie führen nämlich stets über extrem coole Strecken und das Gelände in Südafrika entspricht einfach meinen Vorlieben, trocken, steinig, staubig und heiss! Dazu sind die Rennen stets sehr schnell und coupiert und ohne ewig lange Anstiege. In der Schweiz gibt es leider nur ein vergleichbares Rennen und das hatte ich die letzten drei Mal gewonnen (Elsa Bike Trophy).

Am Dienstag und Mittwoch trainierte ich dann auf dem Gelände, wo das Rennen stattfinden sollte und so konnte ich fast alle Streckenabschnitte anschauen. Unglaublich diese Singletrails, ein MTB Paradies der Extraklasse! Da unter der Woche und zu meiner Trainingszeit nicht viele Biker unterwegs waren begegnete ich auch noch richtig vielen Tieren im Bush! Einmal fuhr ich in eine Herde Zebras und kurz darauf hatte mich ein Kudu beinahe aufgespiesst. Ich erlebte also noch ein klein wenig Afrika!

Anders als in der Schweiz fängt leider in Pretoria das Trainingsgebiet nicht gleich hinter dem Haus an und so ist es üblich, dass man zuerst mit dem Auto zum Bikepark fährt. Wie ungemütlich es auf der Strasse ist, das erlebte ich dann beim letzten Training am Donnerstag auf den Strassen Pretorias.

Ich fühlte mich eigentlich schon am Dienstag wieder richtig gut erholt und so freute ich mich auf das Rennen. Ich fuhr in der Vergangenheit (2014 bis 2017) schon ein paar Trailseekers, doch vielmehr mochte ich die richtigen Ultra- Marathons des selben Veranstalters „Advendurance“. Diese waren auch richtig ultra hart und führten stets über mind. 100 Km oder mind. 4 Stunden Siegerzeit, doch leider gibt es diese Rennserie nicht mehr. 2015 hatte ich ja sogar die Gesamtwertung dieser Serie für mich entschieden. Die Rennen der Trailseeker führten stets über deren 70 Km und so ist die Sache meistens schon nach 2.5 bis 3 Std gelaufen.

Nach einem ultralangen Rennen sollte nun also ein ultraschnelles Rennen folgen.

Startschuss der Elite war bereits um 7 Uhr Morgens, damit alle Teilnehmer der verschiedenen Distanzen (normalerweise mehrere Tausend!!) an einem Tag durchgebracht werden. Doch da in Südafrika langsam der Winter einkehrt, war es noch beinahe dunkel und richtig kalt! Die Sonne heizt zwar tagsüber auf über 20 Grad, doch bis ich im Ziel sein würde, brauchte es noch keine Sonnencreme!

Das Rennen war dann die ersten 35 Km eher flach und super schnell. Die grösste Schwierigkeit war vor allem die Sicht, denn als die Sonne aufging, konnte man fast nichts sehen und dazu kam der Staub. Ich hielt mich stets in den vordersten Positionen auf und selektionierte dann nach 20 Km bei der ersten kurzen Steigung das erste Mal die Gruppe.
Danach war es der spätere Zweitplatzierte Nick-Bester, der nach 35 Km im ersten längeren Anstieg eine Vorentscheidung suchte. In der folgenden Abfahrt riskierte er Kopf und Kragen und ich hatte grosse Mühe um dran zu bleiben doch unten angekommen, waren wir nur noch zu Zweit. Nach ein paar flachen Km folgte der nächste Anstieg und just in dem Moment, als uns unsere Verfolger wieder gestellt hatten forcierte ich erneut. Irgendwie waren die anderen „gebrochen“ und ich konnte mich schnell absetzen. Vor mir lagen nun noch 25 Km Singletrails mit einem ständigen Auf – und Ab. Diese Abschnitte kannte ich dann gut aus meinen beiden Trainings und so konnte ich nach knapp 2.5 Rennstunden den Sieg ins trockene bringen.

Nach der Dopingkontrolle und Siegerehrung gings zurück nach Pretoria und da hiess es dann wieder einmal putzen, packen und ab zum Flughafen. Mittlerweile sitze ich bereits in Doha und warte auf meinen Anschlussflug nach Zürich.

Es wartet wohl meine dritte schlaflose Nacht innert zwei Wochen auf mich doch ich habe genügend Erlebtes, wo ich nun ein wenig verarbeiten kann. Jedes Mal wenn ich Afrika wieder verlasse gibt es so viele Dinge, die ich mir auch zu Hause wünsche und ich richtig vermisse aber auch Dinge, dich mich immer wieder nachdenklich machen. Gerade in der aktuellen, ziemlich kranken Welt scheint so manches völlig unbegründet komplett aus den Fugen zu laufen!

Aus diesen läuft nämlich einmal mehr meine Saisonplanung! Am Freitag erhielt ich die Nachricht, dass nun auch die Schweizermeisterschaft im Rahmen des BergiBikes zum zweiten Mal abgesagt wurde und somit wird es wohl bis Juli für mich erneut keine Rennen mehr geben. Dies ist besonders bitter da ich das Gefühl habe, dass ich gerade so richtig gut in Form komme und meine Planung gepasst hätte. Auch das Selbstvertrauen ist nach den zwei erfolgreichen Rennen am richtigen Ort und jetzt gibt es stattdessen wieder einen Rückschlag.

Da ich die Form unmöglich so lange halten kann werde ich nun statt auf, wieder abbauen und eine kurze Pause einlegen, damit ich dann beim nächsten def. Plan wieder anziehen kann.

Das emotionale Auf und Ab geht nun also in die Verlängerung und mal sehen, vlt kommt es ja sogar noch zum Elfmeterschiessen!

Die letzten zwei Wochen nimmt mir jetzt aber keiner mehr und ich möchte mich an dieser Stelle bei allen bedanken, die mich bei dieser Reise unterstützt haben! Meine Welt war für die letzten zwei Wochen i.O.