Rennberichte

Post- Epic Syndrom

Post-Epic Syndrom :D

Ziele sind generell und so auch im Spitzensport die antreibenden und entscheidenden Faktoren der Motivation, des eigenen Antriebes und der Planung. Nur wer sich Ziele setzt, kann sich anschliessend einen Plan schmieden oder Weg aufzeichnen, um diese zu erreichen. Den Hauptanteil des Erfolges bildet dabei der Weg und genau deshalb sind Ziele so motivierend, sie füllen aus und geben einem einen „Plan“. Ob dieser richtig ist oder war, weiss man dann jedoch erst nachdem man seine Ziele erreicht hat, -/ oder gescheitert ist. Dann gibt es noch die verschiedenen Kategorien der Ziele, die Kurzfristigen und die Langfristigen! Je intensiver man auf ein Ziel hingearbeitet hat, umso grösser ist danach die Freude nach der Egalisierung oder eben auch die Enttäuschung bei einem Misserfolg!

Mein erstes langfristiges Ziel in meiner gesamten Jugend war, dass ich es zum Profisportler schaffen würde. Der Weg war somit klar, ich musste mir den A.. abtrainieren und brauchte viel Ausdauer & Durchhaltewillen, um mich durch Erfolge und auch Misserfolge die lange Leiter hinaufzuarbeiten. Dabei bildeten einzelne Rennen die „kurzfristigen Ziele“, denn nur wenn ich diese erfolgreich beenden würde, käme ich meinem Fernziel einen Schritt näher.

Schliesslich erreichte ich mein Ziel 2011 und ich wurde Profisportler. Ich etablierte mich über die Jahre in der Szene und schuf mir einen „Namen“. Doch was waren meine nächsten Ziele? Um die Motivation zu behalten, suchte ich immer wieder neue Herausforderungen in Form von neuen Rennen in fremden Ländern. Zuerst fuhr ich in Südafrika, danach startete ich bei Ultrarennen. Selbst die Operation meiner Beinarterie gab mir neue Motivation, denn mein Ziel war, stärker zurück zu kommen und mein Potential besser auszuschöpfen. Meinen „Weg“ habe ich mir stets selber geschaffen und mich immer wieder motiviert & aufgebaut. Die Erfolge der beiden letzten Jahre gaben mir viel Zufriedenheit und Genugtuung, denn meine Arbeit hat sich ausgezahlt.

Doch Ende Saison und vor allem nach der Crocodile Trophy in Australien spürte ich, dass ich keine Motivation mehr hatte und neue Ziele brauchte. Ich kann mich nicht wie andere Fahrer 10 Mal für dasselbe Rennen motivieren oder denselben Rennkalender absolvieren und so suchte ich nach einer neuen Herausforderung. Klar, das Cape Epic hatte ich in der Vergangenheit schon oft bestritten, doch durch die Möglichkeit, mit einem sehr erfolgreichen Cape Epic Fahrer der Vergangenheit zu starten, entstand für mich ein motivierendes Ziel. Das Cape Epic war das Ziel, doch nüchtern betrachtet machen die 8 Renntage vlt. 8 % des Projektes aus. 92 % des Zieles bildete der Weg! Seit dem Desert Dash, also Anfang Dezember hatte ich stets dieses Ziel vor Augen und tagtäglich arbeitete ich an mir, um bei diesem ersten Rennen zu bestehen. 3 Monate lang hatte ich einen Plan, ein motivierendes Programm und die Motivation war gross!

Das Resultat und der Ausgang des Rennens ist bekannt und während des Ausfalls oder des Defektes am dritten Tag lief bei mir alles wie ein Film ab. Zu oft befand ich mich in jener Situation, die eigene Kontrolle beim Rennen ohne meinen Einfluss zu verlieren und zu oft reiste ich mit einer riesigen Enttäuschung nach Hause. Diesmal so schien es, liess es mich kalt. Ich konnte mit dem Rennen abschliessen und meinen Frieden damit schliessen. Noch beim Heimflug schwor ich mir, dass ich dieses Rennen nie mehr fahren werde!

Zurück in der Schweiz gönnte ich mir erstmals ein paar ruhige Tage, ehe ich wieder mit dem Training startete. Die ersten 2 Wochen waren nicht schlecht, doch danach kam ich ein wenig in Schieflage. Das Epic & die resultierende Enttäuschung holten mich ein. Vor allem ist es im Moment schwierig, die nächsten Ziele anzuvisieren, da diese noch sehr weit weg liegen. In der Schweiz fängt die Marathonsaison erst im Juni an und so bleibt noch sehr viel Zeit, um mich wieder aufzubauen. Voraussichtlich werde ich beim EKZ Cup am 28. April mein erstes Rennen fahren, dies aber vor allem zu Trainingszwecken. Danach hatte ich 10 Tage in Belgien geplant. Mit dem Roc d’Ardenne findet am 5. Mai ein UCI Marathonrennen statt und die Woche danach erhielt ich eine Einladung zum viertägigen BeMC Etappenrennen (Belgien Mountainbike Challenge). Beide Rennen bin ich noch nie gefahren und deshalb wären es neue Ziele und Erlebnisse.

Das Cape Epic hat mich also doch noch eingeholt. Denn es fühlt sich im Moment einfach so an, als hätte ich 3 Monate für „Nichts“ trainiert….. doch ich weiss auch, dass sich das ganze Training im Sommer auszahlen wird! Was ich brauche ist im Moment vor allem eines, etwas Geduld und Gelassenheit! Vielleicht kommt da das gute Wetter über Ostern gerade richtig. Denn so langsam aber sicher macht das Fahrradfahren auch in der Schweiz wieder Freude!

Ich wünsche euch in diesem Sinne frohe und erholsame Ostern!